Der Bahnhof Wolbeck

    • Geschichte

      Der alte Bahnhof in Wolbeck wurde Ende der 70 ´er Jahre von der Stadt Münster gekauft und in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein zu einem Jugendzentrum umgebaut. Durch einen Ratsbeschluss aus dem Jahre 1979 wurde der "Bahnhof Wolbeck" den Vereinen im Stadtteil Wolbeck ausschließlich für die offene Jugendarbeit kostenfrei zur Verfügung gestellt. Seit etwa 1981 ist der Trägerverein der einzige Nutzer des Bahnhofs und betreibt seitdem in dem Gebäude ein HOT (Haus der offenen Tür) und stellt die kontinuierliche "Offene Jugendarbeit " sicher. Ohne die großzügige Unterstützung durch die Stadt Münster wäre für den Trägerverein als Verein Jugendlicher und junger Erwachsener der Betrieb des Jugendzentrums überhaupt nicht möglich gewesen. Der "Bahnhof Wolbeck " besteht nunmehr rund 30 Jahre als selbstverwaltetes Jugend,- Kulturzentrum, welches von einem eingetragenen Verein betrieben wird.

    • Räumlichkeiten / Lage

      Der Bahnhof Wolbeck befindet sich in einem Mischgebiet am Ortsrand des Münsteraner Stadtteils Wolbeck. Das historische Gebäude, welches ehemals ca. 75 Jahre lang als Bahnhof diente, umfasst ca. 200 qm Nutzfläche. Im unteren Bereich steht ein Veranstaltungsraum mit 97 qm mit einer Konzert- und Theaterbühne zur Verfügung. Außerdem befindet sich im Erdgeschoß ein Gruppenraum mit ca. 20qm, der vorwiegend für die mädchenspezifische Gruppenarbeit genutzt wird. Im Gruppenraum sind u.a. eine Küchenzeile und eine Hochebene integriert. Desweiteren befinden sich im Erdgeschoß der Eingangsbereich, der Flur und die Toiletten. Im Obergeschoß sind das Jugend-Café mit 60 qm, sowie das Büro und der Werkraum angesiedelt. Der Offene Treff im Jugend-Café ist u.a. mit einem Billardtisch, einem Kicker und zwei Internetrechnern ausgestattet Hinzu kommen im Außenbereich noch ca. 200 qm Bahnsteigbereich inkl. zahlreicher Sitzgelegenheiten, umgeben von einer Schallschutzmauer.

    • Pädagogische Grundgedanken und Ziele

      Der "Bahnhof Wolbeck" ist selbstverwaltet. Das heißt, Demokratie, offene Entscheidungsprozesse sowie Ernstnehmen und Respektieren des "Anderen" sind wichtige Maßstäbe und Ziele unserer Einrichtung.
      Mittel zum Erreichen dieser Ziele sind die Beteiligung der Jugendlichen an der täglichen Arbeit; ihr Mitsprache- und Abstimmungsrecht auf den wöchentlichen Teamsitzungen und im Trägerverein. Jugendarbeit soll "an den Interessen der jungen Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zur gesellschaftlichen Mitverantwortung ...hinführen." ( § 11 KJHG, S. 157) Die Beteiligung der Jugendlichen an der inhaltlichen, programmlichen und räumlichen Gestaltung ist grundlegender Bestandteil der täglichen Arbeit. Das Programm und die Angebote orientieren sich an den Bedürfnissen und Interessen der Jugendlichen und werden von ihnen aktiv mitgestaltet. Der Bahnhof Wolbeck bietet einen alternativen Sozialraum zu Elternhaus und Schule. Die Besucher und Mitarbeiter können sich durch die Beteiligung an Umgestaltungen, Wartungsarbeiten und Umbaumaßnahmen mit ihrem Jugendzentrum identifizieren. So gelingt es von Generation zu Generation die Verantwortung für das Jugendzentrum weiterzugeben.

      Die Jugendarbeit im Bahnhof Wolbeck ist dann erfolgreich, wenn eine Atmosphäre geschaffen wird, die von menschlicher Akzeptanz, gegenseitigem Respekt, Vertrauen und der freiwilligen Entwicklung notwendiger Grenzen geprägt ist.

      "Ziel der Einrichtung ist es, offene außerschulische Jugendarbeit unter größtmöglicher Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Jugendlichen zu betreiben" (§ 1 Satzung des Trägervereins)

      Als Ziele lassen sich formulieren:

      • Erlernen von demokratischen Strukturen durch Partizipation
      • Entwicklung von Einzel- und Gruppenverantwortung in Teilbereichen der Einrichtung
      • Ausbildung sozialer Kompetenz mittels ehrenamtlichen Engagements
      • Selbstbestätigung und Persönlichkeitsförderung durch Erfolge in teamorientierten Projekten
      • Geschlechtergerechtigkeit durch Angebote sowohl im geschlechtshomogenen, als auch im geschlechtsgemischten Bereich
    • Hauptamtliche

      In unserem Hause sind zurzeit ein Sozialpädagoge und eine Sozialpädagogin beschäftigt. Sie stellen die Kontinuität der Arbeit sicher und übernehmen Aufgaben, die der Trägerverein, trotz hohen ehrenamtlichen Engagements der Jugendlichen, nicht leisten kann. Sie sind Vorbilder, Ansprechpartner, Vertrauenspersonen und sind für die pädagogische Arbeit verantwortlich. Weiterhin stellen sie die Basisfunktionen wie Beantragung öffentlicher Mittel, Buchführung, Verwaltung, Kontrollfunktionen, Anleitung der Ehrenamtlichen, etc. sicher. Von ihnen wird Einfühlungsvermögen und positive Wertschätzung den Jugendlichen gegenüber erwartet. Sie führen die laufenden Geschäfte des Vereins, vertreten diesen nach außen und führen Angebote und Maßnahmen des Jugendzentrums durch. Die weibliche Sozialpädagogin leitet die Mädchengruppe und kümmert sich insbesondere um die Belange der Mädchen und jungen Frauen im "Bahnhof". Weiterhin beschäftigt der Trägerverein einen Zivildienstleistenden, welcher Hausmeistertätigkeiten übernimmt. Hinzu kommen je nach Bedarf Honorar,- und Kurskräfte.

    • Zielgruppe

      14 - 21 jährige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in erster Linie aus Wolbeck und dem Einzugsgebiet des Wolbecker Schulzentrums. Dazu zählen neben den Stadtteilen Gremmendorf und Angelmodde u.a. auch die benachbarten Ortschaften Alverskirchen und Albersloh.

      Schwerpunkt der Einrichtung ist die stadtteilorientierte Jugendarbeit. Der "Bahnhof Wolbeck" steht grundsätzlich allen Jugendlichen aus dem definierten Einzugsbereich offen.

    • Finanzierung

      Unser Haus erhält Zuschüsse vom Jugendamt der Stadt Münster gemäß den Richtlinien für die Förderung "Offener, außerschulischer Jugendarbeit". So erhält der "Bahnhof Wolbeck" Zuschüsse zu Ferienfreizeiten, Werkraummaterial, Spiel- und Sportgeräten und technischen Mitteln sowie zu Werbe- und Verwaltungskosten. Weiterhin werden die Personalkosten der Hauptamtlichen mit 90 % bezuschusst, was bei Weitem den größten Zuschussbetrag ausmacht. Im Jahresdurchschnitt liegt der erwirtschaftete Eigenanteil bei ca. 30 % der Gesamtkosten. Dieser wird durch die Veranstaltungen, Cafebetrieb, Spenden und Teilnehmerbeiträge erzielt. Der Betrieb des "Bahnhofs" ist nur möglich durch die Unterstützung der Stadt Münster und durch das hohe ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter und Trägervereinsmitglieder.

    • Arbeitsschwerpunkte / Angebote

      1. Offener Treff / Café

      Das Jugendcafé ist dienstags bis donnerstags von 15.00 -21.00 Uhr und Samstags/ Sonntags von 15.00 - 18.00 Uhr geöffnet. Es soll für Jugendliche ein "zweites Zuhause" sein, wo sie sich in lockerer Atmosphäre ohne Konsumzwang treffen können. Es stehen ein Billardtisch, Flipper, jede Menge Spiele, sowie zwei Internetrechner zur Verfügung. In der Woche ist immer ein/e Sozialpädagoge/in als Ansprechpartner im Hause. Der Cafebetrieb wird aber von ehrenamtlichen Mitarbeitern "gemanagt". Am Wochenende öffnen ältere Jugendliche selber das Cafe und leiten dieses eigenverantwortlich.

      2. Kulturveranstaltungen

      Jeden Freitag findet im Veranstaltungsraum ein Konzert, eine Theatervorstellung, oder eine Party statt. Die Jugendveranstaltungen werden stets von Sozialpädagogen betreut. Ca. 20-30 Jugendliche sind Rund um die jeweilige Veranstaltung in den Organisationsbereichen Planung, Werbung, Durchführung und Nachbereitung involviert. Das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen bildet das Fundament jeder einzelnen Freitagsveranstaltung. Das seit nun mehr als 30 Jahre erfolgreich gelebte Kernprinzip der Einrichtung, welches "von Jugendlichen - für Jugendliche" lautet, wird im Bereich der Freitagsveranstaltungen Woche für Woche mit Leben ausgefüllt. Der Fokus der Veranstaltungen liegt also auf den Besuchern, die sich zurecht eine altersgerechte, friedliche und Non-Kommerzielle Wochenendveranstaltung wünschen sowie auch auf der kontinuierlichen, sozialpädagogisch begleiteten, Mitarbeit der Jugendlichen, die mit ihrem vielfältigen Engagement diese Veranstaltungen erst möglich machen.

      3. Werktäglicher Wahnsinn

      Alle Reparaturen und Umbauten werden in Eigenregie zusammen mit den jugendlichen Besuchern und Mitarbeitern geplant und durchgeführt. Dadurch wird der Umgang mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen gelernt, aber auch die Identifizierung mit dem Hause gefördert. So hat bisher fast jede neue Generation eine größere Umbauaktion durchgeführt. In den letzten Jahren wurde z.B. in dem Mädchengruppenraum eine Hochebende eingebaut, das Außengelände umgebaut und der Eingangsbereich neu gestaltet. Da unser Haus über keinen Hausmeister verfügt, werden auch alltägliche Kleinreparaturen in Eigenregie durchgeführt. Dabei bringen viele Lehrlinge aus Handwerksberufen ihr Wissen mit ein.

      4. Gruppenangebote

      Es werden nach den Bedürfnissen und Interessen der Besucher, oft auch situativ, Gruppenangebote gemacht. So stehen Fußball, Kanutouren, Grillabende, Kinobesuche, Schwimmen, Selbstverteidigung etc. auf dem Programm. Darüber hinaus finden regelmäßig Gesprächsgruppen zu verschieden Themenbereichen und natürlich die wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen statt.

      5. Ferienprogramme und Mitarbeiterseminare

      Der "Bahnhof Wolbeck" veranstaltet regelmäßig Ferienprogramme. In den vergangenen Jahren lagen die Schwerpunkte auf kreativen Angeboten wie z.B. Bastel-, Werk- und Malarbeiten sowie auf Städtebesichtigungen, Filmabenden, gemeinsames Grillen und Touren auf der Werse mit den hauseigenen Kanus.
      Desweiteren werden in den Ferien offene Bandworkshops angeboten, bei denen die Teilnehmer das professionelle Equipment des Jugendzentrums nutzen können.
      Im Herbst/Winter eines jeden Jahres geht das Jugendzentrum traditionell mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Trägervereinsmitglieder in Klausur. In einer Begegnungsstätte in der Nähe von Bielefeld werden an einem kompletten Wochenende aktuelle Themen rund um das Geschehen im Jugendzentrum reflektiert, das vergangene Jahr aufgearbeitet sowie eine Rahmenplanung für das Folgejahr erarbeitet. Das Mitarbeiterwochenende ist neben den wöchentlichen Teamsitzungen und regelmäßigen Trägervereinssitzungen ein wichtiger Baustein in der gelebten Partizipation der Jugendlichen in ihrem "Bahnhof Wolbeck".

          Kanutour auf der Werse

      6. Beratung

      Die Sozialpädagogen stehen jederzeit bei Bedarf den Kindern und Jugendlichen für ein Einzelgespräch zur Verfügung. Durch den engen Kontakt und das Vertrauensverhältnis zu den Besuchern und ehrenamtlichen Mitarbeitern ergeben sich in der täglichen Arbeit oftmals Einzelgespräche. Wenn nötig, wird ein Extratermin vereinbart.

      Insbesondere werden folgende Themenbereiche angesprochen:

      • Konflikte im Elternhaus
      • Berufliche Orientierung
      • Schulschwierigkeiten
      • Beziehungsprobleme
      • Missbrauch von legalen und illegalen Drogen

      Vielfalls sind Gespräche und Kontakte mit Schulen, Eltern und Betrieben nötig, um eine Problemlösung zu erreichen. Gegebenenfalls wird zu Arbeitsamt, Beratungsstellen, Pro Familia, dem Amt für Soziale Dienste, Drogenberatung, Mädchenkrisenhaus etc. weitervermittelt. So wird eine weitgehende Vernetzung mit anderen Trägern und Institutionen angestrebt.

      7. Ableistung von Sozialstunden

      In unserem Hause besteht für straffällig gewordene Jugendliche die Möglichkeit Sozialstunden abzuleisten. Es wird Wert darauf gelegt, die Jugendlichen zu integrieren und auch bei Veranstaltungen und Angeboten mit einzubeziehen. Ansonsten werden sie in der Regel für hausmeisterische Tätigkeiten und Renovierungen eingesetzt. In erster Linie leisten Jugendliche aus Wolbeck, Gremmendorf und Angelmodde Ihre Sozialstunden im "Bahnhof Wolbeck" ab.

      8. Mädchenarbeit

      Schon traditionell besteht seit Jahren eine feste Mädchengruppe, welche sich wöchentlich trifft und in der sich zur Zeit sechzehn Mädchen im Alter von 14- 16 Jahren organisieren. Sie wird betreut von der hauptamtlichen Sozialpädagogin. Die Gruppe soll einen geschützten Rahmen bieten, in dem sich die Mädchen wohlfühlen und sich individuell entfalten können. Zu den Programmpunkten zählen Bildungswochenenden, Gesprächskreise, Selbstbehauptungs-, und Selbstverteidigungskurse, Freizeiten sowie Projekte mit musischen und kreativen Inhalten.