Es fehlt in Münster an Alternativen - WN 03.04.2011 (Freitagsveranstaltungen)

Veröffentlicht in 2011

 

 

Jugendzentrum: „Es fehlt in Münster an Alternativen“


Münster-Wolbeck - Matthias Schulz vom Trägerverein Bahnhof Wolbeck steckt in einem Dilemma: „Wir haben Zulauf aus ganz Münster, sogar aus Gievenbeck und Handorf kommen Jugendliche, aus Everswinkel, Albersloh und Telgte. Wir haben begrenzte Kapazitäten für circa 300 Jugendliche; mehr hereinzulassen wäre fahrlässig. Wir haben mit dem Jugendamt, Polizei und Ordnungsamt die Situation analysiert: In Münster gibt es kaum noch Jugendzentren, die am Wochenende Alternativen zum Bahnhof Wolbeck anbieten.“


Im Gespräch mit den Jugendlichen erfuhr Schulz, dass viele - auch sehr junge - Partygäste vormals in der mittlerweile geschlossenen Disco „Go Parc!“ feierten. „Ich weiß von Eltern, die froh sind, dass ihre Kinder jetzt im Bahnhof feiern und nicht in Discos gehen, wo harter Alkohol ausgeschenkt wird.“


In Absprache mit Jugendamt und Ordnungskräften wird seit Herbst der Einlass nur noch mit gültigem Personalausweis erlaubt, um Kids unter 14 Jahren herauszufiltern. „Im direkten Umfeld des Bahnhofs sorgen wir selber für Ordnung, soweit uns das gelingt. Der Service- und Ordnungsdienst ist in Wolbeck unterwegs und behält dann auch den Marktplatz und andere Orte im Blick. Der SOS-Dienst kann auch Ordnungsstrafen verhängen, die Eltern informieren oder Platzverweise erteilen.“



Seit einiger Zeit bewirbt der Bahnhof seine Partys nicht mehr mit Flyern. Die Jugendlichen verabredeten sich aber übers Internet. „Es gibt immer Wellenformen: Mal ist ein Partyort total angesagt, dann ist wieder was anderes ,in´. Es gibt die berechtigte Hoffnung und den Trend, dass der Zustrom von außerhalb langsam abreißt. Es ist nicht unser Auftrag, Jugendliche aus ganz Münster aufzunehmen. Die Nachfrage ist aber da, und es hat auch seine Berechtigung, dass Jugendliche am Wochenende tanzen und Musik hören wollen.“

Ein Jugendzentrum lebe immer in einem Spannungsfeld, meint Schulz: „Die einen, die am Wochenende ihre Ruhe haben wollen, und die anderen, die das Angebot der Jugendeinrichtung zu schätzen wissen. Schade ist, dass einige wenige, die negativ auffallen, das Ganze in ein schlechtes Licht rücken.“