Von der Ruine zum Jugendtreff

Veröffentlicht in 1994

Münstersche Zeitung

 

Der Wolbecker Bahnhof feierte am Sonntag 15jähriges Bestehen

Von der Ruine zum Jugendtreff

Von Benjamin Schmidt

BSC. Wolbeck. Es gibt Grund zum Feiern: Der "Bahnhof Wolbeck" begeht am Sonntag sein 15jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür.

Begonnen wird mit einem gemeinsamen Frühstück des Trägervereins und der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Café um 11 Uhr. Gegen 16 Uhr sind alle Politiker der Wolbecker Ortsfraktionen und Gäste aus der münsterschen Verwaltung eingeladen, um sich ein Bild vom Jugendzentrum zu machen und mit Kaffee, Kuchen und einem Glas Sekt das Jubiläum zu feiern. Ab 20 Uhr wird dann die Kabarettgruppe "Die Buschtrommel" aus Münster im Bahnhof ein Gastspiel geben.

Am 1. Dezember 1979 öffnete der Bahnhof am Steintor die Pforten für die Jugend. "Die Stadt hat damals das Gebäude, welches mehr einer Ruine glich, gekauft und für 300 000 DM renoviert", erinnerte sich Johannes Wüstefeld-Beermann, einer der beiden Sozialarbeiter, die im Jugendzentrum tätig sind, "toll war wirklich, daß wir viel in Eigenverantwortung gestalten durften".

Der Name Wüstefeld-Beermann ist mit dem Bahnhof eng verbunden. Schon als 25jähriger leitete er das Jugendzentrum, das vor allem zu Beginn für seine Feten am Freitag abend bekannt war. "Leider hatten wir am Anfang Probleme mit Alkohol. Durch unser Alkoholverbot brachten sich die meisten Jugendlichen 'Harten Sprit' mit. Dadurch wurden die Probleme viel größer", so Wüstefeld-Beermann.

Doch man wurde der Sache schnell Herr, mit der Einführung des Bierverkaufes im Jahre 1982 war das Thema praktisch erledigt. "Wir hatten nun Einfluß darauf. Wer zuviel getrunken hatte, bekam nichts mehr, alle harten Sachen habe ich konfisziert und weggeschüttet", so der Sozialarbeiter. Zusätzlich waren die Bierpreise weitaus höher als die für Kaffee oder Cola. "Bier kostet heutzutage 2,50 DM, eine Cola gibt es für 1 DM und Kaffee kostet nur 50 Pfennig", erläutert Wüstefeld-Beermann die aktuellen Preise.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Bahnhofes ware sicherlich die "Rockomotiven", die jeweils vor den Sommerferien stattfanden. "Der Open-Air Charakter sorgte für 500 Jugendliche Besucher pro Veranstaltung, die immer begeistert waren", erinnert sich Wüstefeld-Beermann. Insgesamt sieben Mal organisierten die Mitarbeiter des Bahnhofes schon die "Großveranstaltung".

Eine positive Bilanz zog Wüstefeld-Beermann auch für die ABM-Stelle, die dem Bahnhof von 1991 bis 1993 gewährt wurde. "Diese Stelle haben sich zwei Frauen geteilt, die im zwischenmenschlichen Bereich viel geleistet haben. Weder Manfred Schoppmeier noch in konnten ein idealer Ansprechpartner für Mädchen sein. Wir können auch nicht bei elterlichen Problemen die Mutter ersetzen", meint Wüstefeld-Beermann.

Seit 1994 hat der Bahnhof nun einen Zivildienstleistenden, der täglich die kleinen Reperaturarbeiten und vielen anderen Dinge erledigt, die in dem alten Gebäude so anfallen.

Daß die Mitarbeiter des Bahnhofes sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und genüßlich Jubiläum feiern, zeigt das neuste Projekt: "Unser Café ist nie so richtig angenommen wurden, wie wir es gerne gehabt hätten. Zur Zeit bauen wir die obere Etage komplett um, um einen großen Raum mit 35 Sitzplatzkapazitäten zu schaffen", erläutert Wüstefeld-Beermann die Pläne. Mit der Fertigstellung rechnet er im Frühjahr 1995. Für den nächsten Grund zum Feiern ist also schon gesorgt.