Vor 15 Jahren den Anschluß nicht verpaßt

Veröffentlicht in 1994

Westfälische Nachrichten

 

Vor 15 Jahren den Anschluß nicht verpaßt

Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck feierte

-gie- Münster-Wolbeck (Eig. Ber.). Seit Ewigkeiten schon fährt vom Bahnhof Wolbeck kein Zug mehr ab. Dafür geht seit exakt 15 Jahren im Bahnhof Wolbeck die Post ab. Das Jugendzentrum am Steintor, das sich dort vor anderthalb Jahrzehnten nach einigen Schwierigkeiten installieren konnte, eroberte sich alsbald einen festen Platz in den Wochenendplänen der Wolbecker Jugend. Und heute haben selbst die größten Skeptiker von damals Schwierigkeiten, sich den Bahnhof aus dem Ortsbild wegzudenken.

Am Sonntag hielt man bei einem Tag der offenen Tür Rückschau auf diese bewegten 15 Jahre. Das alte Gebäude glich einer Ruine, bevor die Stadt Münster es dann Ende der 70er Jahre kaufte und renovierte. Am 1. Dezember 1979 öffnete dann zum ersten Mal das Bahnhofsportal für die Jugendlichen des Ortes.

Mit dabei seit dem allerersten Tag ist Johannes Wüstefeld-Beermann, der bis heute als Sozialarbeiter das Zentrum betreut. Zusammen mit seinem Kollegen Manfred Schoppmeier und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern stellt er seitdem neben den allseits beliebten Freitag-Abend-Feten auch die "Rockomotive" genannten Sommerkonzerte auf die Beine, die sich zu Open-Airs mit bis zu 500 Besuchern entwickelten.

Doch die Geschichte des Bahnhof Wolbecks war immer auch vom Seiltanz am finanziellen Abgrund geprägt. Dementsprechend kamen unter anderem auch Geldsorgen zur Sprache, als am Sonntag nachmittag die Politiker dem Bahnhof einen Geburtstagsbesuch abstatteten. Die Vertreter aus der BV und dem Ratsausschuß für Kinder, Jugendliche und Familien bekamen neben einem Glas Sekt auch eine Führung durch die obere Bahnhofsetage, die Johannes Wüstefeld-Beermann und Manfred Schoppmeier zu einem großen Café umbauen wollen. Der Antrag auf Förderung des Umbaus durch die Stadt ist ebenso bereits gestellt wie der auf eine zusätzliche halbe Stelle für die Mädchenbetreuung.

Den Höhepunkt des Jubiläums sollte dann am Abend der Auftritt des hochgelobten Kabaretts "Die Buschtrommel" bilden. Das Trio aus Münster bot auch tatsächlich zwei Stunden lang eine Show, die sich gewaschen hatte: Empfindliche Gemüter konnte bei den pointierten Scherzen über klerikale Aerobic oder Asylanten-Wettschwimmen mit Bleigürtel schon der heilge Zorn ergreifen, die anderen amüsierten sich köstlich. Die Besucherzahl blieb allerdings leider mehr als mager. Manfred Schoppmeier achselzuckend: "Es war halt ein Versuch."

 

Politiker aus Rat und Bezirksvertretung ließen es sich nicht nehmen, dem Jugendzentrum zu 15jährigen Bestehen ihre Aufwartung zu machen.

 

Das Kabarett "Die Buschtrommel" unterhielt die wenigen Besucher mit bissigem Humor. Fotos: -gie-