Presseberichte

Spannende Sprünge bei "Spontan Erfolg?"

Veröffentlicht in 1997

Westfälische Nachrichten

 

Spannende Sprünge bei "Spontan Erfolg?"

Da bescherte Petrus uns den ganzen Tag herrlichen Sonnenschein, doch pünktlich zu Beginn des zwölften Open Air Konzertes "Rockomotive" schüttete es wie aus Eimern vom Himmel. Wohlweislich hatten die Veranstalter vom Jugendzentrum "Bahnhof Wolbeck" das Dach ihrer Außenbühne dürftig mit Plastikbahnen erweitert, so daß die angesichts des Regens doch recht zahlreich Erschienenen die beiden Bands "Spontan Erfolg?" und "Dr. Ring-Ding and the Senior Allstars" im Trockenen genießen konnten.

"Spontan Erfolg?", deren Fragezeichen im Bandname sich bereits beim vorjährigen "Rockomotive" als falsche Bescheidenheit erwies, gaben sich alle Mühe, das Publikum trotz der schlechten Bedingungen zu erwärmen. Dies gelang ihnen auch, denn das anfangs noch zögerliche Hüpfen und Springen steigerte sich schließlich bis ins mutige Stagediving, wenn es auch nur einige wenige waren, die sich von der Bühne kopfüber ins Publikum warfen.

Musikalisch präsentierten sich "Spontan Erfolg?" überaus flexibel: Sie spannten den Bogen von melodischem Hip-Hop über brachialen Hardcore bis hin zu groovigem Reggae und Acid-Jazz. So lieferten die münsterschen Jungmusiker insgesamt eine überaus erfrischende Vorstellung, zumal sie lockeren Kontakt mit dem Publikum hielten. Ein würdiger Support also für den schon legendären "Dr. Ring-Ding", die mit ihrem Ska-Klängen auch in Wolbeck wieder begeisterten. -axs-

Spontan Erfolg? erwärmte die begeisterten Zuschauer mit einem Stilmix. Foto: -axs-

 

Das Jugendzentrum feiert die Volljährigkeit

Veröffentlicht in 1997

Das Jugendzentrum feiert die Volljährigkeit

Der Bahnhof Wolbeck ist "erwachsen" geworden

Wolbeck PGT

Seine "Volljährigkeit" feierte das Jugendzentrum im Bahnhof Wolbeck am Sonntag nachmittag. Große Geschenke gab es zum 18. Gebutstag zwar nicht zu verteilen, dennoch lud der Trägerverein "Bahnhof Wolbeck", der dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband angehört, zu einem Geburtstagkaffee in das alte Backsteinhaus.

Dem Ruf des Jugendzentrums folgten nicht nur viele Jugendliche sondern auch Eltern und die örtlichen Politiker. so waren Bezirksvorsteher Uwe Gebhard, Rainer Wagner (SPD), Anderas Nicklas (CDU), Karl-Heinz Neubert, Magdalene Beermann (GAL) und Philipp Götting (FDP) dabei.

Alle Anwesenden waren sich in der Notwendigkeit des Jugendzentrums einig: "Die meisten Jugendlichen stünden ohne den Bahnhof auf der Straße", so Johannes Wüstefeld-Beermann, einer der drei angestellten Sozialpädagogen im Jugendzentrum.

Das Angebot reiche von den Partys am Wochenende über das Jugendcafé (dienstags, donnerstags und sonntags) bis hin zu verschiedenen Gruppentätigkeiten und Ferienfreizeiten.

So meinte etwa der 16jährige Daniel Rotenberger, daß er ohne den Bahnhof nicht "wüßte, wo ich meine Zeit verbringen könnte. Ich würde wahrscheinlich mehr Unsinn machen.

Auch für Ratsherr Rainer Wagner hat der Bahnhof Modellcharakter: "Wir brauchen mehr Jugendzentren dieser Art in Münster", meinter das Ratsmitglied.

Höhepunkte des Veranstaltungskalenders in diesem Jahr waren das Rockomotive Open-Air-Festival, eine Kanutour mit Zelten, die Holland-Freizeit und eine Fahrt nach Köln inklusive eines Besuches bei der Harald-Schmidt-Show.

Oberstes Ziel des Engagements von Wüstefeld-Beermann und seinen Mitstreitern ist es, die Jugendlichen auch in die Arbeit des Jugendzentrums mit einzubinden, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie zu selbstständigem Handeln zu ermutigt.

So helfen mittlerweile viele Wolbecker ehrenamtlich an den verschiedensten Bahnhof-Projekten mit und tragen dazu bei, daß der Bahnhof fast die Hälfte seines Etats in Höhe von 200 000 DM selbst erwirtschaftet.

Schwingschleifer regieren im Bahnhof Wolbeck

Veröffentlicht in 1995

Westfälische Nachrichten

 

Unterm Hammer: Offene Räume für einen offenen Treff

Schwingschleifer regieren im Bahnhof Wolbeck

Von Thomas Reisener

Münster-Wolbeck. (Eig. Ber.) Johannes Wüstefeld-Beermann, seit 15 Jahren Leiter des Wolbecker Jugendzentrums, muß "seinen" Bahnhof ziemlich gerne haben. "Überstunden?" Bei dieser Frage zuckt er mit den Schultern und läßt den Blick lachend über die erste Etage der ehemaligen Bahnstation kreisen, die heute Wolbecks Jugendtreff ist: Nichts ist da, buchstäblich nichts, von den Außenwänden und einer dicken tragenden Säule in der Mitte einmal abgesehen. Schutt und Geröll bedecken statt dessen den Boden, hier und da liegt ein Schwingschleifer, ein Vorschlaghammer oder ein Schweißgerät. "Ich weiß nicht, ob eine Verdopplung der Arbeitszeit etwas mit Überstunden zu tun hat", schmunzelt er, wobei seiner Stimme jener vorwurfsvolle Unterton fehlt, den andere wohl angeschlagen hätten.

Am vergangenen Dienstag haben Wüstefeld-Beermann und seine 20 freiwilligen Helfer - alle zwischen 14 und 18 Jahren alt - damit begonnen, das Jugendzentrum komplett auf den Kopf zu stellen: Die gesamte erste Etage soll umgebaut werden, oder besser: neu gebaut. Denn der Begriff "Renovierung" greift für das ehrgeizige Vorhaben der Freizeit-Bauarbeiter zu kurz. Am Anfang stand die Entkernung der etage. Das heißt: Sämtliche Wände wurden herausgebrochen, der marode Putz abgekratzt und das schäbige Linol vom Fußboden entfernt. Da, wo noch vor wenigen Monaten ein Werkraum, ein Büro, ein Mini-Café und ein Flur waren, soll jetzt ein einziger, großer und heller Raum von 67 Quadradmetern entstehen.

"Das alte Café war zu klein", erklärt Wüstefeld-Beermann, "von dort aus hatte man keinen Blick auf das übrige Jugendzentrum." So habe sich im Laufe der Zeit in dem muffigen Zimmer zwar eine kleine Clique etabliert, neue Besucher hätten sich von dem viel zu kleinen und versteckt liegenden Rum jedoch nicht anziehen lassen. "Und das geht nicht", erklärt der Sozialpädagoge kategorisch, denn: "Wir sind ein offenes Jugendzentrum, das alle Jugendlichen in Wolbeck ansprechen will, und nicht nur die Stammkunden. Diesen offenen Charakter kann man mit einer entsprechenden Architektur unterstützen, die vorherige hätte ihr irendwann zerstört." So ist vor einem Jahr der Entschluß gefaßt worden, die obere Etage umzubauen. Fast 45 000 Mark wurden dafür veranschlagt, die Stadt erklärte sich bereit, etwa die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Die andere Hälfte übernahm der Trägerverein, ein Teil der Rechnungen wird über Spenden gedeckt.

"Vor allem das Hochbauamt hat uns sehr geholfen", freut sich der Polier der Freiwilligen über die unkonventionelle Behördenhilfe. "Baupläne zeichnen, Fluchtwege berechnen - das haben wir ja alles noch nie gemacht. Da haben die uns mal jemanden vorbeigeschickt, der uns alles erklärt hat", erinnerte sich Wüstefeld-Beermann.

Am 3. Dezember, wenn dann endlich ein Billiardtisch, eine Theke und die schmucke Bestuhlung in dem neuen Café zurechtgerückt sind, soll dort die erste Party steigen. Bis zur Eröffnung der neuen "Konkurrenz" allerdings wird sich der Umsatz der örtlichen Pizzeria noch mächtig steigern: Denn dort hält der Bahnhofs-Chef seine jungen Helfer nach Feierabend bei Laune...

Neuer Bahnhof braucht jetzt viel Power

Veröffentlicht in 1995

Münstersche Zeitung

 

Das Wolbecker Jugendzentrum soll am 1. Dezember fertiggestellt sein

Neuer Bahnhof braucht jetzt viel Power

CLU. Wolbeck. Aus drei mach' eins: Im Bahnhof Wolbeck wird derzeit Schwerstarbeit verrichtet. Umbau- und Renovierungsarbeiten sind angesagt. Aber nicht nur Streichen oder Tapezieren, Teppichboden verlegen oder Fensterrahmen lackieren steht auf dem Programm.

Ein Abbruchbohrer ist das wichtigste Arbeitsgerät für die Jugendlichen und die hauptamtlichen Mitarbeiter des Wolbecker Jugendzentrums. "Wir wollen aus der ersten Etage des Bahnhofs einen offenen Treff machen", erläutert Johannes Wüstefeld-Beermann das Vorhaben. Deshalb wurden kurzerhand drei Wände eingerissen, so das aus den drei einzelnen Zimmern und dem zehn Quadratmeter großen Flur ein einziger, 67 Quadratmeter messender Raum wurde. Untergebracht waren in dieser Etage zuvor die Werkstatt und das Büro des Jugendzentrums sowie ein Café.

"20 Tonnen Bauschutt haben wird in den vergangenen zwei Tagen hier rausgeräumt", so Wüstefeld-Beermann. Dafür waren eigentlich vier Tage vorgesehen. Da aber wesentlich mehr Jugendliche als geplant mit anpackten, ging alles viel schneller. "Die Jungs haben unheimlich viel Arbeitspower", lobt Wüstefeld-Beermann das Engagement der rund 20 ehrenamtlichen Helfer.

Mit dem neuen "Offenen Treff" will das Jugendzentrum weg vom Insider-Image des alten Cafés. Das sei mit seinem 20 Quadratmetern viel zu klein gewesen, so Wüstefeld-Beermann. Umso mehr, da von dieser Quadratmeterzahl noch der Platz für die Theke abgezogen werden mußte.

Der neue, großzügige Treff soll mit einer Theke, einem Billiardtisch, neuen Bildern, Blumen sowie Tischen und Stühlen ausgestattet werden: "Dann haben wird auch in der Woche einen angemessenen Aufenthaltsraum", betont Wüstefeld-Beermann.

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der Umzug des Büros und der Werkstatt in zwei bis dahin kaum genutzte Räume im alten Wolbecker Bahnhof stattgefunden.

43 000 DM wird der ganze Spaß kosten. Die Bahnhofs-Crew hat aber versucht, die Kosten auf das absolut Notwendige zu drücken. Die gesamte Renovierung wird in Eigenarbeit geleistet. Sogar der Bauschutt wurde sortiert gesammelt, so daß auch hier wenig Gebühren anfallen. Nur wegen des Verlegens eines neuen Fußbodens stehen noch Verhandlungen mit der Stadt aus.

Bis zum Oktober will mann mit den jetzigen Arbeiten fertig sein. Es sollen die Decke ausgebessert, der Raum verputzt und der Fußboden dort, wo ehemals die Wende standen, mit Estrich aufgefüllt sein. Dann geht es erst einmal für alle Mitarbeiter zur Belohnung für ein Wochenende nach Zweischlingen in der Nähe von Bielefeld. Anschließend ist noch fünf Wochen Zeit, um den "Offenen Treff" einzurichten. Pünktlich zum 16. Geburtstag des Bahnhofs am 1. Dezember 1995 sollen die Räumlichkeiten in neuem Glanz erstrahlen.

Jeden Tag von 15 bis 21 oder 22 Uhr packen die Schüler tatkräftig mit an. Für sie ist das Engagement selbstverständlich: "Es ist doch in unserem eigenen Interesse, daß es hier schön wird".

 

 

Viele Jugendliche helfen derzeit beim Umbau des Jugendzentrums Bahnhof Wolbeck mit. Zum 16. Dezember möchte man wieder öffnen. Foto:Lux