Presseberichte

Musical-Premiere im Bahnhof Wolbeck - WN 23.03.2011 (Musical)

Veröffentlicht in 2011

Musical-Premiere im Bahnhof Wolbeck


Ein starkes Team jugendlicher Darsteller brachte im Bahnhof Wolbeck unter Anleitung von Katharina Grützmacher ein erstes Musical auf die Bühne.Fotos: (anh)

 

Münster-Angelmodde - Das erste Musical im Jugendzentrum „Bahnhof Wolbeck“, das erste mit dieser Gruppe - da kann man etwas aufgeregt sein. Vor der Premiere von „Das etwas andere Musical“ standen die 18 Mädchen und Jungen im Alter von 15 bis 22 Jahren noch eine Weile draußen in der Sonne: Etwas Aufwärmtraining für die Sprechwerkzeuge gehörte wie bei all den Proben dazu: „. . . einen großen Kaugummi kauen . . .“, so lässt Theaterpädagogin Katharina Grützmacher die Zungen wandern „. . . und nicht beirren lassen . . . und nach links . . .“ Die 18 kommen in Fahrt, formen einen Kreis, dann geht es hinein in den dunklen Partyraum, rauf auf die Bühne hinter den Vorgang: „Keine Angst, ihr seid super“, ist zu hören und die Antwort „Wir sind das Team!“.

Dann dürfen die Zuschauer hinein, überwiegend die Familien der Darsteller, schnell sind die Stühle voll, Stehplätze werden knapp.


Mit Gesangssoli beginnt das Stück, ein kleines Liebeslied, Schönheits-Klatsch unter Mädchen - dann geht es ihnen um das Musical, bei dem sie mitmachen wollen oder sollen - und so ihre Zweifel haben: „Ich kann nicht singen, sollen wir nicht lieber rappen?“ Das tun sie später auch, es wird gesungen und gezeigt, dass hier intensiv an der Inszenierung gearbeitet wurde, in wöchentlichen Proben seit September, in Sonderproben in den Ferien. Wo, wer, wann, Text und Gestik, alles klappt wie am Schnürchen, es ist Tempo im Stück, das nicht nur auf der Bühne stattfindet, sondern auch auf den erhöhten Flächen um die Zuschauer. Die sind mittendrin und können sehen, wie die Darsteller beim Wolbeck-Lied ausgelassen feiern: Es handelt besonders vom Bahnhof: „Das ist unsere Welt, hier können wir selbst was machen“. Die Gelegenheit hat die Gruppe mit viel Engagement bei diesem Musical genutzt - an weitere Theaterarbeit ist gedacht, Interessiere können hinzustoßen. Das Stück soll auch Mut machen - „Einstein hatte auch nur ne Vier in Mathe“, heißt es im Refrain. Die Musik stammt von Felix Meuer - getextet hatte das Team gemeinsam.

Es spielten und sangen Johanna Schimpf, Christina Brodrecht, Mara Fuchs, Elena Kober, Jessica Engelbert, Meike Austermann, Nele Meister, Lina Thamm, Anna Heidemeyer, Jana Ebermann, Diana Lepping, Anika Wilmsen, Katrin Noll, Tim Kortenjann, Philipp Przybilla, Dominik Wilkens und Patrick Wester. Für Licht und Ton sorgten Lisa Heidemeyer und Sven Güntgens, für die Musik Felix Meuer und Mathias Goldstein.

Regie und Produktionsleitung lagen in den Händen von Katharina Grützmacher, die seit 2010 im Bahnhof tätig ist und nach dem Stück von allen Darstellern Blumen bekam. Das Schwerste sei zum Teil die Konzentration gewesen, resümierte Anika Wilmsen, das Schönste der Beifall. „Es hat viel Spaß gemacht.“

 

Das Team entschloss sich, den Hut für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer in Japan herumgehen zu lassen. Eine zweite Aufführung findet am Sonntag (27. März) um 18 Uhr im Bahnhof Wolbeck statt.



Das etwas andere Musical - MZ 21.03.2011 (Musical)

Veröffentlicht in 2011

Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck: Das etwas andere Musical

WOLBECK Ein ausverkauftes Haus – die Premiere von „Das etwas andere Musical“ des Jugendzentrums Bahnhof Wolbeck am Sonntag war ein voller Erfolg. Besucher, ob jung oder alt, wollten das Stück unbedingt sehen und nahmen dafür sogar Stehplätze in Kauf.Von Peter Sauer

Das Stück erzählt davon, wie sich Jugendliche in ihrer Freizeit treffen. Sie sind es leid, nur über Lieblingsschauspieler und Schminktipps zu reden.

Daher beschließen sie: „Machen wir doch einfach mal ein Musical über uns.“ Gesagt, getan. In diesem gibt es eine wunderbare Neuinterpretation von Gene Kellys Klassiker „Singin’ in the Rain“ mit einem attraktiven Regenschirm-Quartett und schunkelnden Wolken.

Selbst geschrieben

Das von 20 Wolbecker Jugendlichen selbst geschriebene Musical besitzt Tiefgang – gerade bei den lyrischen und gesellschaftskritischen Texten über die Werte von Musik und Theater. Aber auch Tempo: Rasant bespielt werden nicht nur die Bühne, sondern auch die Seitenränge.

Die Jugendlichen, alle in schwarzweißer Kleidung, sind mit Verve dabei. Sie machen Pantomime und Akrobatik, singen und tanzen so ungezwungen, dass man gar nicht merkt, dass das Musical einstudiert ist. Immer wenn das Musical zu perfekt läuft, karikieren sich die Jugendlichen selbst mit augenzwinkernden Kommentaren, um keine Bodenhaftung zu verlieren.

Magischer Stuhl

Köstlich mit anzusehen sind die coolen Rapper Philipp Przybilla und Dominik Wilkens, wenn sie einen magischen Stuhl bezähmen. Der Song „I will follow him“ sorgt für Gänsehaut. Die Eigenkomposition „Alles ist relativ“ macht derweil Mut, auch bei schlechten Noten nicht zu verzagen, etwa wenn sie über Albert Einstein singen: „In Deutsch nur ’ne 4, in Mathe super.“

Mit dem eigenen Lied „Jugend vom Bahnhof Wolbeck“ hat das junge Musical-Ensemble einen identitätsstiftenden Ohrwurm geschaffen, den das Publikum auch schnell mitsingt.

Furioses Finale

Witzige Schilder und Symbole sorgen beim Discohit „Nein, Mann“ von Laserkraft 3D für ein furioses FinaleTheaterpädagogin Katharina Grützmacher vom Jugendtheater „Cactus“ hat beste Arbeit geleistet.

Seit September probte sie mit den Wolbecker Jugendlichen in jeder freien Minute, verscheuchte mit ausgetüfteltem Motivationstraining jedes Lampenfieber.

Weiterer Termin

Wer „Das etwas andere Musical“ verpasst hat, muss sich nicht ärgern: Am Sonntag (27. März) gibt es die nächste Gelegenheit um 18 Uhr im Bahnhof Wolbeck. Die Einnahmen der Vorstellung kommen den Opfern der Katastrophe in Japan zugute..

Gute Laune frei Haus: Wolbecker Jugendliche im Alter zwischen 14 und 22 Jahren begeisterten im Bahnhof Wolbeck mit ihrem selbst komponierten Stück »Das etwas andere Musical«. (Foto: Peter Sauer)

 

Das etwas andere Musical - WN 11.01.2011 (Musical)

Veröffentlicht in 2011

Der Titel ist Programm: Im März wollen Jugendliche ihr ungewöhnliches Werk auf die Bühne bringen

 

Von Andreas Hasenkamp

Münster-Wolbeck. Etwas anders soll es sein, das Musical, das eine Gruppe vom Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck im Frühjahr aufführen will - und deshalb heißt es auch gleich so: „Das etwas andere Musical“.
Ein kräftiger Schuss „Making of“ ist nämlich mit drin in dem Mix aus theatermäßig gespielten Szenen und Gesangseinlagen. „Mich hat einfach jemand in die Liste eingetragen“, sagt eine Darstellerin zu Beginn des Musicals, das etwa eine dreiviertel Stunde dauern soll. Das Stück wird das erste Musical in den Mauern des Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Bahnhofs sein.

Mit Feuereifer wird zurzeit das „etwas andere Musical“ im Bahnhof Wolbeck geprobt. im März, so hoffen die „Macher“, soll die Premiere über die Bühne gehen.

Die Darsteller sind zugleich die Macher. Sie haben Liedtexte angepasst, etwa den Song „Ich liebe Wolbeck“. Und die Jugendlichen gestalten die Szenen mit viel Einfallsreichtum aus. Das Projekt entwickelt sich von Probe zu Probe weiter. So wie das Gedicht, das von vier Mädchen lebendig dargestellt wird und über das sich Dominik und Philipp anschließend lustig machen. Regisseurin Katharina Grützmacher, als Sozialpädagogin im Jugendzentrum angestellt, erinnert die beiden kurz daran, dass sie das doch bei der letzten Probe „schöner angereichert“ hätten. „Ihr könnt noch gemeiner sein!“, regt sie an und schon nehmen die beiden erneut kreativ Anlauf und kleiden die Szene noch reicher aus. Da entwickelt sich noch mehr, was bei der Aufführung rund um die Zuschauer passieren wird, auf der Bühne und an den Seiten.

Angefangen hat die Arbeit am Musical in den Herbstferien, und sie geht noch weiter. Die knapp 20 Beteiligten im Alter von 14 bis 22 setzen sich nicht unter Druck. Auf eine Woche kommt es nicht an. Bei dieser Probe fehlen ohnehin zwei der vier Jungen und auch einige Mädchen sind erkältet ans Bett gefesselt. Die Premiere soll möglichst im März sein.

Unterdessen achtet Grützmacher darauf, dass alle richtig laut sprechen, die Gestik rüberkommt und jeder den Ablauf verinnerlicht: „Was kommt, wenn Philipp dran war?“ „Wir schon wieder. . .“ schallt es prompt. Um Licht und Technik kümmert sich Lisa.

Während das Stück weiter Gestalt annimmt, wird gemeinsam über Kostüme beraten, ein wenig Bühnenbild soll noch kommen. Wie steht es mit dem Verteilen der Eintrittskarten, und wie sollen die Gäste platziert werden? Im Konzertraum wird sonst gestanden, der Vorschlag „Sofa!“ könnte schwierig umzusetzen sein.

„Es ist besser, schief zu singen als gar nicht zu singen“, wird Peter Maffay zitiert Aber schief singen sie gar nicht, wenngleich Grützmacher da und dort noch nachfassen will.

Gesprochen wird frei, die Liedtexte halten die meisten noch in der Hand - was die Bewegungsfreude aber kaum bremst. „Im singing in the rain“ ertönt, und „Wir sind die Kinder vom Bahnhof“. Ich kann immer noch nicht singen, aber es hat Spaß gemacht“, resümiert eines der Mädchen, und ein anderes meint: „Irgendwie bin ich froh, dass mich jemand in die Liste eingetragen hat“.

 

 

 

Mit einem Rauswurf fing alles an - WN 29.12.2010 (30 Jahre Bahnhof Wolbeck)

Veröffentlicht in 2010

Münster-Wolbeck - Wechselhaft, spannend, ebenso gespickt mit Problemen und Konflikten wie mit teils überraschenden Lösungen durch viele Eigenleistungen der Jugendlichen: So charakterisiert sich die Geschichte des „Jugendzentrums Bahnhof Wolbeck“, das einst anders hieß, nämlich Jugendzentrum Angelmodde-Wolbeck. Denn in Angelmodde-West standen ähnliche Probleme an der Wiege des Jugendzentrums wie in Wolbeck. Man war nämlich „rausgeflogen“ aus den jeweiligen Pfarrheimen beziehungsweise dem Wolbecker Jugendheim.

Dabei habe Pfarrer Josef Barenbrügge die Arbeit sehr wohlwollend verfolgt und Probleme sehr gelassen und hilfreich aufgenommen, erinnert sich Johannes Wüste­feld-Beermann dankbar. Er war bei der Gründung als Jugendlicher dabei, arbeitet seitdem als Sozialpädagoge im Jugendzentrum. 30 Jahre. „Ohne den Rauswurf gäbe es wohl kein Jugendzentrum“, meint er nachdenklich. Am Anfang standen auch etliche Jugendliche aus Angelmodde. 1979 war das Jugendzentrum fertig, bot ganz neue Möglichkeiten - und verändert sich von Jahr zu Jahr.

Die Klientel des Zentrums sind seither Schüler des Schulzentrums Wolbeck, sieht man einmal von den Ü-40-Partys und anderen Veranstaltungen ab. Bei den Ehrenamtlichen kam der Löwenanteil von etwa 60 Prozent von der Realschule, der Rest je zur Hälfte von Hauptschule und Gymnasium.

Lange kamen besonders viele aus dem Dorfkern, stark vertreten waren Kinder selbstständiger Unternehmer und Handwerksmeister. Praktisch, denn Handarbeit war reichlich zu leisten, kann der gelernte Maschinenschlosser Wüstefeld-Beermann bezeugen. Gut, dass der Bahnhof kein Neubau war - man hätte sich sonst nicht getraut, ihn zu verändern. Und das, so Anika Wilmsen, sei wichtig: „Durch die eigene Arbeit nehmen die Jugendlichen das Zentrum erst richtig in Besitz.“ Streichen, zimmern, Steine schleppen, schmücken - Arbeit gab es reichlich. So sah das Zentrum alle Jahre wieder anders aus.

Das Jubiläumsheft zeigt auch, wie man im Bahnhof in Aufgaben hineinwachsen kann. Ein Gitarrist der H-Blockx hat auch hier gespielt, und im Heft ist ein Junge auf einem Foto zu sehen, der in der 5. Klasse schon am Mischpult stand. „Heute legt er bei den großen Partys auf“, sagt Anika Wilmsen. Sie kam auch selbst durch spontanes Mittun zum Bahnhof, erzählt die heute 21-Jährige: Bei einer Party der Zehntklässler ging die Organisation daneben - sie organisierte, wurde angesprochen, übernahm eine Leitungsfunktion in der Mädchenarbeit und wurde schließlich 2010 in den Vorstand des Trägervereins gewählt. „Das hier ist aber dein zweites Zuhause“, habe ihr Vater einmal zu ihr gesagt. Derzeit studiert Anika Wilmsen Sozialarbeit in Enschede, eines der nötigen Praktika absolvierte sie wieder im Bahnhof. Sie freut sich, dass Ehemalige aus ihrer Mädchengruppe heute selbst eine Gruppe leiten.

Das Jugendheim ist selbstverwaltet, entschieden wird demokratisch. Als Ehrenamtlicher bekommt man ab 16 Jahren einen Schlüssel. „Ich weiß noch, wie ich den bekommen habe - wow!“, erzählt Anika Wilmsen. Das Strahlen in den Augen sehe sie heute bei den Jüngeren. „Wir haben ja nie für eine Randgruppe gearbeitet, wir haben uns nie vereinnahmen lassen, und waren immer für alle da. Von allen für alle.“ „Und wie oft wir schon auf der Schnauze gelandet sind. . . “, sagt Johannes Wüstefeld-Beermann - davon und von den Lösungen erzählt das Heft. Auch von einem Brand, vom Kampf um mehr Lärmschutz, von einstigen Problemen mit Alkohol und Box-Süchtigen.

Das schmückende Logo des Jubiläums-Hefts stammt von Rob Elder. Es zeigt eine Dampflokomotive mit Wagen, vorn am Kessel Musiknoten, der Anhänger aussehend wie der Wolbecker Bahnhof. Den historischen Teil der Texte ist von Wüste­feld-Beermann, über die jüngere Zeit schrieb Diplom-Sozialpädagogin Katharina Grützmacher, über die Mädchenarbeit Anika Wilmsen, die auch das Layout des ungewöhnlichen Hefts mit 76 Seiten und vielen Fotos übernahm.

Wer eines der wenigen noch erhältlichen Ausgaben für acht Euro erwerben möchte, der wendet sich bitte an das Team im Bahnhof Wolbeck.

VON ANDREAS HASENKAMP, HILTRUP
30 Jahre gibt das Team im Bahnhof Wolbeck immer wieder Volldampf: Das Foto zeigt Johannes Wüste­feld-Beermann und Anika Wilmsen mit der Jubiläums-Broschüre unter einem Foto des alten Bahnhofs aus dem Jahr 1977. Foto:
(Andreas Hasenkamp)